
Entgegen der landläufigen Meinung gibt es nicht „die beste“ Jahreszeit für Safari-Fotos – es gibt nur die richtige für Ihre gewünschte fotografische Vision.
- Die Trockenzeit liefert dramatische, kontrastreiche Porträts von Tieren an Wasserlöchern.
- Die Green Season (Regenzeit) bietet eine satte, atmosphärische Leinwand mit dramatischen Himmeln und lebendiger Vegetation.
Empfehlung: Definieren Sie zuerst die Art von Bild, die Sie erschaffen möchten, und wählen Sie dann gezielt die Saison, die diese Vision unterstützt.
Die Planung einer Safari ist für jeden Hobbyfotografen und Naturliebhaber ein Höhepunkt. Man investiert Zeit, Geld und Emotionen in die Reise des Lebens – und hat doch eine nagende Sorge: Was, wenn das Wetter die Fotos ruiniert? Die gängige Weisheit, die man überall hört, scheint einfach: Reisen Sie in der Trockenzeit. Die Vegetation ist niedrig, die Tiere versammeln sich an den verbliebenen Wasserlöchern und die Sichtungen sind quasi garantiert. Dieser Ratschlag ist zwar nicht falsch, aber er kratzt nur an der Oberfläche und ignoriert die Hälfte der kreativen Möglichkeiten, die der afrikanische Kontinent bietet.
Die Wahl der Reisezeit ist weit mehr als eine logistische Entscheidung zur Maximierung der Tiersichtungen. Für den anspruchsvollen Fotografen ist es eine bewusste künstlerische Weichenstellung. Es ist die Wahl der visuellen Leinwand, auf der die Bilder entstehen werden. Doch was, wenn die wahre Meisterschaft nicht darin liegt, dem Mainstream-Rat zu folgen, sondern die klimatischen Nuancen jeder Saison zu verstehen und sie gezielt für eine bestimmte fotografische Erzählung zu nutzen? Was, wenn die oft verschmähte Regenzeit in Wahrheit die geheimnisvolle Zutat für atmosphärisch dichte, einzigartige Aufnahmen ist, die sich von den typischen Safari-Postkarten abheben?
Dieser Artikel bricht mit dem vereinfachten „Trockenzeit-ist-besser“-Dogma. Wir tauchen tief in die meteorologischen und ökologischen Gegebenheiten beider Saisons ein, um Ihnen die Kontrolle über Ihre fotografische Vision zurückzugeben. Wir analysieren, wie die Regenzeit dramatische Himmel zaubert, wann genau die berühmten Flussüberquerungen stattfinden und wie Sie die Extreme von Hitze und Kälte zu Ihrem Vorteil nutzen können. Am Ende werden Sie nicht mehr fragen, wann die „beste“ Zeit für eine Safari ist, sondern wissen, welche Saison die richtige für IHR perfektes Foto ist.
Um Ihnen die bestmögliche Orientierung zu geben, haben wir diesen Guide strukturiert, um die wichtigsten fotografischen und planerischen Aspekte beider Saisons zu beleuchten. Die folgende Übersicht führt Sie durch die entscheidenden Fragen, die Ihre Reiseplanung prägen werden.
Sommaire : Ihr Wegweiser zur perfekten Fotosafari-Saison
- Warum bietet die Regenzeit oft klarere Luft und dramatischere Himmel?
- Wann genau überqueren die Gnus den Mara-Fluss?
- Wie spart man bis zu 40% der Lodge-Kosten im April oder Mai?
- Das Risiko von Hitzschlag bei Safaris im Oktober im südlichen Afrika
- Hochsaison vs. Nebensaison: Wann haben Sie die Sichtung für sich allein?
- Wann wandern die Tiere wo: Der Kalender entscheidet das Ziel
- Wann ist der kälteste Monat im südlichen Afrika?
- Wo fängt man die Grosse Migration im August ab, ohne in Massen zu stehen?
Warum bietet die Regenzeit oft klarere Luft und dramatischere Himmel?
Die Green Season, wie die Regenzeit oft poetisch umschrieben wird, wird von vielen Reisenden aus Angst vor Dauerregen und unpassierbaren Wegen gemieden. Für Fotografen ist dies jedoch ein schwerwiegender Fehler, denn sie verpassen eine einzigartige Lichtpalette. Der grösste Vorteil der Regenzeit liegt in der atmosphärischen Qualität. Kurze, heftige Nachmittagsschauer wirken wie eine natürliche Reinigung der Atmosphäre. Sie waschen Staub und Aerosole aus der Luft, was zu einer aussergewöhnlichen Klarheit und Sichtweite führt. Genau dieses Phänomen erklärt, warum Landschaften in der Green Season oft schärfer und Farben intensiver wirken, wie auch meteorologische Studien zur Reduktion von Aerosolen nach Regenfällen zeigen.
Diese gereinigte Luft beeinflusst direkt die Qualität des Lichts. Während die Trockenzeit oft von einem diesigen, blassen Himmel geprägt ist, schenkt die Regenzeit tiefblaue Himmelsabschnitte, die von monumentalen, dramatisch getürmten Cumulonimbus-Wolken durchbrochen werden. Diese Wolken sind keine Störfaktoren, sondern aktive Gestaltungselemente für den Fotografen. Sie verleihen Landschaftsaufnahmen Tiefe, Struktur und eine unverkennbare Dramatik. Das Lichtspiel zwischen dunklen Wolkenbänken und durchbrechenden Sonnenstrahlen erzeugt eine Dynamik, die in der gleichmässigen Helligkeit der Trockenzeit selten zu finden ist. Das Ergebnis sind keine reinen Dokumentationen, sondern stimmungsvolle, fast malerische Interpretationen der Savanne.
Darüber hinaus verwandelt der Regen die Landschaft selbst. Die trockene, ockerfarbene Erde weicht einem satten, smaragdgrünen Teppich. Dieser farbintensive Vordergrund, kombiniert mit den dramatischen Himmeln, schafft eine fotografische Erzählung von Fülle und Leben – ein starker Kontrast zur Erzählung des Überlebenskampfes in der Trockenzeit. Die nasse Vegetation reflektiert das Licht anders, was mit dem richtigen Einsatz eines Polarisationsfilters zu unglaublich gesättigten Farben führt, die kaum Nachbearbeitung benötigen.
Wann genau überqueren die Gnus den Mara-Fluss?
Die Überquerung des Mara-Flusses durch Hunderttausende Gnus ist eines der grössten Naturspektakel der Welt und ein Traumziel für jeden Wildtierfotografen. Die zentrale Frage lautet stets: Wann genau passiert es? Generell gilt laut Experten für Tierwanderungen der August als bester Monat, um die dramatischen „Crossings“ zu beobachten, wobei sich das Zeitfenster typischerweise von Juli bis Oktober erstreckt. In dieser Phase der Grossen Migration ziehen die Herden aus der tansanischen Serengeti nordwärts in die kenianische Masai Mara auf der Suche nach frischem Grasland.
Die Tiere versammeln sich oft stunden- oder sogar tagelang am Ufer, bevor ein mutiges Gnu den Sprung wagt und eine Massenpanik auslöst. Genau diese Momente der Anspannung, des Zögerns und der schieren Wucht der Herde, die sich ins von Krokodilen bevölkerte Wasser stürzt, liefern unvergleichliche fotografische Motive. Es ist ein Schauspiel von Leben und Tod, das Bilder von roher, ungezähmter Natur ermöglicht. Der Staub, die Wasserspritzer und die verzweifelten Blicke der Tiere schaffen eine emotionale Dichte, die ihresgleichen sucht.

Allerdings ist eine entscheidende Nuance zu beachten, die den erfahrenen Planer vom Touristen unterscheidet: Die Migration folgt keinem festen Kalender. Es handelt sich um einen dynamischen, von Regenfällen gesteuerten Prozess. Ein verspäteter oder verfrühter Regen in einer bestimmten Region kann den Zeitplan der Herden um Wochen verschieben. Diese Unvorhersehbarkeit ist Teil des Reizes, birgt aber auch ein Risiko.
Fallbeispiel: Die unvorhersehbare Migration 2023/2024
Die Saisons 2023 und 2024 waren ein perfektes Beispiel für die Flexibilität der Natur. Aufgrund von veränderten lokalen Regenfällen fanden die grossen Flussüberquerungen nicht nur im August, sondern, wie Beobachtungen vor Ort belegen, bis weit in den September und sogar Oktober hinein statt. Dies zeigt eindrücklich, dass eine starre Planung auf Basis von historischen Daten allein nicht ausreicht. Fotografen, die flexibel waren, wurden mit spektakulären Sichtungen ausserhalb des „klassischen“ Zeitfensters belohnt.
Wie spart man bis zu 40% der Lodge-Kosten im April oder Mai?
Einer der überzeugendsten, aber oft übersehenen Aspekte bei der Wahl der Safari-Saison ist der finanzielle Faktor. Die Monate April und Mai fallen in die sogenannte „lange Regenzeit“ oder Nebensaison in vielen Teilen Ostafrikas, wie Kenia und Tansania. Während die Hochsaison von Juli bis Oktober durch hohe Nachfrage und entsprechend gesalzene Preise für Lodges und Camps gekennzeichnet ist, bietet die Nebensaison ein enormes Sparpotenzial. Fotografen, die bereit sind, sich auf die Bedingungen der Green Season einzulassen, können nicht nur einzigartige Bilder machen, sondern auch ihr Budget erheblich schonen.
Die Preisunterschiede sind signifikant. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Raten für dieselbe Luxus-Lodge in der Nebensaison um bis zu 40% niedriger sind als in der Hauptsaison. Viele Unterkünfte locken zusätzlich mit attraktiven Sonderangeboten, um ihre Auslastung zu sichern. Dazu gehören „Stay 4, Pay 3“-Angebote (vier Nächte bleiben, nur drei bezahlen) oder kostenlose Zimmer-Upgrades. Diese Ersparnisse können es ermöglichen, den Aufenthalt zu verlängern, eine hochwertigere Lodge zu buchen oder das Budget in zusätzliche Aktivitäten wie geführte Fotoworkshops zu investieren. Die folgende Übersicht verdeutlicht das Sparpotenzial.
| Zeitraum | Saison | Lodge-Auslastung | Preisersparnis | Zusatzvorteile |
|---|---|---|---|---|
| April-Mai | Nebensaison | Gering | Bis zu 40% | Kostenlose Upgrades, ‚Stay 4 Pay 3‘ Angebote |
| Juli-Oktober | Hochsaison | Sehr hoch | 0% | Keine besonderen Angebote |
| November | Kurze Regenzeit | Mittel | 15-25% | Weniger Touristen |
Die finanzielle Ersparnis geht Hand in Hand mit einem exklusiveren Erlebnis, wie auch Safari-Veranstalter bestätigen. Weniger Touristen bedeuten leerere Nationalparks und intimere Tierbeobachtungen.
Im Mai in Ubuntu ist Nebensaison. Safaris zu dieser Zeit sind sehr lohnenswert, da es in der Serengeti relativ wenige Touristen gibt, die Tierbeobachtungen jedoch weiterhin hervorragend sind.
– Kiwoito Africa Safaris, Safari-Veranstalter Erfahrungsbericht
Das Risiko von Hitzschlag bei Safaris im Oktober im südlichen Afrika
Während die späte Trockenzeit, insbesondere der Oktober, im südlichen Afrika (z. B. in Botswana, Sambia oder Simbabwe) für ihre exzellenten Tiersichtungen an schwindenden Wasserquellen bekannt ist, birgt sie eine oft unterschätzte Gefahr: extreme Hitze. Die Temperaturen können tagsüber leicht auf über 40 °C ansteigen. Diese Bedingungen stellen nicht nur für Reisende eine gesundheitliche Belastung dar, sondern beeinflussen auch das Verhalten der Tiere und die Qualität der Fotografien massgeblich. Ein Hitzschlag ist ein reales Risiko, das eine bewusste Anpassung des Tagesrhythmus erfordert.
Die Mittagshitze zwischen 11 und 16 Uhr ist fotografisch meist unergiebig. Das Licht ist extrem hart, erzeugt tiefe, unvorteilhafte Schatten und lässt Farben verblassen. Das sichtbare Hitzeflimmern über der Savanne kann zwar ein interessantes, abstraktes Motiv sein, macht aber klassische Tierporträts nahezu unmöglich, da es die Schärfe und Detailzeichnung stark beeinträchtigt. Noch wichtiger ist, dass die meisten Tiere während dieser Zeit inaktiv sind. Löwen, Leoparden und Wildhunde ruhen im tiefsten Schatten und sind kaum zu finden oder zu fotografieren. Die Aktivität verlagert sich fast ausschliesslich auf die kühlen frühen Morgen- und späten Abendstunden.

Für Fotografen bedeutet dies, die eigene Strategie radikal anzupassen. Statt eines gemächlichen Frühstücks in der Lodge muss die erste Pirschfahrt weit vor Sonnenaufgang beginnen, um die erste Stunde des Tageslichts voll auszunutzen. Die lange, heisse Mittagszeit verbringt man am besten in der Lodge, idealerweise an einem Pool, um sich zu erholen und die Ausrüstung zu pflegen. Erst am späten Nachmittag, wenn die Temperaturen sinken und das Licht wieder weicher und goldener wird, lohnt sich eine zweite Ausfahrt. Diese Fokussierung auf die Randzeiten des Tages ist in der extremen Hitze des Oktobers nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit.
Ihr Aktionsplan: Safari-Rhythmus bei extremer Hitze anpassen
- Frühstart erzwingen: Beginnen Sie Pirschfahrten konsequent vor Sonnenaufgang (5:30 Uhr oder früher), um die aktive Phase der Raubtiere zu erwischen.
- Lange Mittagspause planen: Nutzen Sie die Zeit zwischen 11:00 und 16:00 Uhr zur Erholung in der Lodge, zur Bildsichtung oder für eine Abkühlung im Pool.
- Nachtfahrten priorisieren: Fokussieren Sie sich auf geführte Nachtsafaris (wo erlaubt), um nachtaktive Tiere zu beobachten, die der Tageshitze entfliehen.
- Goldene Stunde maximieren: Planen Sie Ihre Fotografie gezielt für die späte Nachmittagsstunde, wenn das Licht flacher und wärmer wird und die Tiere wieder aktiv werden.
- Mittagshitze meiden: Verzichten Sie auf Aktivitäten in der Mittagshitze. Das Licht ist zu hart für gute Fotos und die meisten Tiere sind ohnehin inaktiv.
Hochsaison vs. Nebensaison: Wann haben Sie die Sichtung für sich allein?
Die Entscheidung zwischen Hoch- und Nebensaison ist ein klassischer Zielkonflikt für jeden Safari-Reisenden. Die Hochsaison, typischerweise während der Trockenzeit von Juli bis Oktober in Ostafrika, verspricht die höchste Dichte an Tieren an leicht zugänglichen Wasserlöchern und die besten Chancen, dramatische Ereignisse wie die Flussüberquerung der Gnus zu erleben. Doch dieser Vorteil hat einen hohen Preis: die Anwesenheit unzähliger anderer Touristen. An Hotspots wie dem Mara-Fluss oder in der Ngorongoro-Krater kann es vorkommen, dass sich Dutzende von Safari-Fahrzeugen um eine einzelne Löwensichtung drängen. Dieses „Löwen-Stau“-Phänomen kann das Naturerlebnis empfindlich stören und macht es fast unmöglich, saubere, ungestörte Aufnahmen ohne Fahrzeuge im Hintergrund zu machen.
Hier spielt die Nebensaison (z.B. April, Mai, November) ihre grösste Stärke aus. Die geringere Nachfrage führt zu deutlich weniger Besuchern in den Parks. Es ist die Zeit, in der man das Gefühl haben kann, die unendliche Weite der Savanne für sich allein zu haben. Eine Tiersichtung wird zu einem intimen, persönlichen Erlebnis. Anstatt sich einen Platz in der dritten Reihe zu erkämpfen, können Sie Ihr Fahrzeug perfekt positionieren, den Motor abstellen und in Ruhe auf den richtigen Moment für Ihr Foto warten. Diese Exklusivität und Ruhe ist ein unbezahlbarer Luxus, den die Hochsaison selten bieten kann.
Natürlich ist dies ein Kompromiss. Die Vegetation ist in der Green Season höher, was die Sichtung von Tieren erschweren kann. Die Tiere sind zudem weiter verstreut, da Wasser und Nahrung überall verfügbar sind. Es erfordert oft mehr Geduld und das Können eines erfahrenen Guides, um die Tiere zu finden. Für den Fotografen bedeutet dies jedoch auch eine grössere Herausforderung und die Chance auf einzigartigere Bilder – ein Leopard, der durch das hohe, grüne Gras schleicht, ist ein weitaus selteneres und oft stärkeres Motiv als einer, der gelangweilt unter einem Baum in der trockenen Savanne liegt.
Checkliste: Die richtige Saison für Ihren fotografischen Stil wählen
- Vision definieren: Welche Art von Bild will ich? Ein dramatisches „Tier-im-Staub“-Porträt (Trockenzeit) oder ein stimmungsvolles „Tier-in-der-Landschaft“-Bild (Regenzeit)?
- Toleranz für Menschen prüfen: Stören mich viele andere Fahrzeuge bei einer Sichtung (dann Nebensaison wählen) oder ist mir die maximale Sichtungswahrscheinlichkeit wichtiger (dann Hochsaison)?
- Budget analysieren: Ist mein Budget knapp (dann Nebensaison für bis zu 40% Ersparnis) oder spielt Geld eine untergeordnete Rolle?
- Lichtpräferenz klären: Bevorzuge ich hartes, kontrastreiches Licht (Trockenzeit) oder weiches, diffuses Licht und dramatische Wolken (Regenzeit)?
- Komfortlevel abwägen: Komme ich mit Hitze und Staub klar (Trockenzeit) oder bin ich bereit für gelegentliche Regenschauer und eventuell matschige Wege (Regenzeit)?
Wann wandern die Tiere wo: Der Kalender entscheidet das Ziel
Die „Grosse Migration“ ist kein einzelnes Ereignis, sondern ein permanenter, zyklischer Prozess, der sich über das gesamte Ökosystem der Serengeti und Masai Mara erstreckt. Das Verständnis dieses Jahreszyklus ist für Fotografen von entscheidender Bedeutung, denn es diktiert nicht nur, wann, sondern vor allem wo man sein muss, um die Herden abzufangen. Die falsche Region zur falschen Zeit zu buchen, ist der häufigste Fehler bei der Planung einer Migrations-Safari. Der Kalender ist der ultimative Reiseführer.
Der Zyklus beginnt grob von Januar bis März im Süden der Serengeti, in der Region um den Ndutu-See. Dies ist die Kalbungszeit. Hunderttausende Gnus werden innerhalb weniger Wochen geboren, was eine hohe Dichte an Raubtieren anlockt. Fotografisch ist dies eine Zeit der Fülle und des neuen Lebens, aber auch der grausamen Dramen, wenn junge Kälber zur leichten Beute werden. Die Landschaft ist dank der kurzen Regenzeit oft grün und frisch.
Von April bis Mai, während der langen Regenzeit, beginnen die Herden ihre langsame Wanderung nach Norden und Westen. Sie ziehen durch den sogenannten Western Corridor der Serengeti. Dies ist eine gute Zeit für Fotografen, die Menschenmassen meiden wollen, aber die Sichtungen können aufgrund des Regens und der verstreuten Herden unvorhersehbarer sein. Im Juni und Juli erreichen die Herden den Grumeti-Fluss, wo die ersten, oft sehr dramatischen Flussüberquerungen stattfinden, bevor sie weiter nordwärts ziehen.
Der Höhepunkt wird von August bis Oktober erreicht, wenn die Herden die Grenze nach Kenia überqueren und sich im Gebiet des Mara-Flusses aufhalten. Dies ist die Zeit der berühmtesten Crossings. Schliesslich, mit den einsetzenden kurzen Regenfällen im November und Dezember, treten die Herden den Rückweg an und ziehen wieder südwärts durch die östliche und zentrale Serengeti, um den Zyklus im Süden von Neuem zu beginnen. Jede dieser Phasen bietet eine völlig andere Szenerie und unterschiedliche fotografische Möglichkeiten.
Wann ist der kälteste Monat im südlichen Afrika?
Wenn man an eine Afrika-Safari denkt, kommen einem sofort Bilder von sengender Hitze und staubiger Savanne in den Sinn. Doch diese Vorstellung ist nur die halbe Wahrheit, besonders im südlichen Afrika. Die Trockenzeit, die in Ländern wie Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe von Mai bis August dauert, ist gleichzeitig der afrikanische Winter. Die kältesten Monate sind in der Regel der Juni und Juli. Während die Tagestemperaturen oft angenehm mild und sonnig sind und um die 20-25 °C liegen, können die Nächte und frühen Morgenstunden empfindlich kalt werden. Temperaturen um den Gefrierpunkt oder sogar darunter sind in Regionen wie dem Okavango-Delta oder der Kalahari keine Seltenheit.
Für Fotografen hat diese Kälte weitreichende positive Konsequenzen. Erstens ist die Luft in der Regel extrem klar, trocken und frei von Dunst. Dies führt zu einem klaren, brillanten Licht und einer fantastischen Fernsicht. Die Farben am frühen Morgen und späten Abend sind intensiv, und der Himmel hat oft ein tiefes, sattes Blau. Es ist die perfekte Bedingung für gestochen scharfe Landschaftsaufnahmen und Tierporträts mit feinsten Details. Die „goldene Stunde“ ist in diesen Monaten oft besonders magisch.
Zweitens beeinflusst die Kälte das Verhalten der Tiere. Anders als in der extremen Hitze des Oktobers sind die Tiere während der kühlen Wintertage oft den ganzen Tag über aktiv. Raubtiere wie Löwen oder Wildhunde nutzen die angenehmen Temperaturen für die Jagd, anstatt im Schatten zu dösen. Dies vergrössert das Zeitfenster für spannende Sichtungen und gute Fotos erheblich. Man ist nicht mehr nur auf die kurzen Dämmerungsphasen beschränkt. Ein weiterer visueller Aspekt ist der sichtbare Atem der Tiere in der kalten Morgenluft, der Porträtaufnahmen eine zusätzliche atmosphärische Ebene verleihen kann.
Die Vorbereitung auf diese Bedingungen ist jedoch essenziell. Es ist unerlässlich, warme Kleidung nach dem Zwiebelprinzip einzupacken, einschliesslich Mütze, Schal und Handschuhen für die offenen Safari-Fahrzeuge am frühen Morgen. Wer die Kälte nicht scheut, wird mit einigen der besten Licht- und Aktivitätsbedingungen des ganzen Jahres belohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Regenzeit (Green Season) ist ideal für Fotografen, die dramatische Himmel, satte grüne Landschaften und eine geringe Touristendichte suchen.
- Die Trockenzeit garantiert konzentrierte Tierbeobachtungen an Wasserlöchern, bringt aber oft hartes Licht, Staub und in der Hochsaison viele andere Besucher mit sich.
- Die Nebensaison (z.B. April/Mai) bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis mit Lodge-Ersparnissen von bis zu 40% und einem exklusiveren Safari-Erlebnis.
Wo fängt man die Grosse Migration im August ab, ohne in Massen zu stehen?
Der August ist der absolute Höhepunkt für die Beobachtung der Grossen Migration am Mara-Fluss. Dies wissen jedoch nicht nur Sie, sondern auch Tausende anderer Touristen. Die Hauptübergangsstellen („Main Crossing Points“) in der Masai Mara können sich schnell in einen Parkplatz für Safari-Fahrzeuge verwandeln, was das Naturerlebnis trübt. Doch es gibt Strategien, dem grössten Trubel zu entgehen und dennoch das Spektakel zu erleben. Der Schlüssel liegt darin, geografisch und zeitlich clever auszuweichen und sich auf weniger bekannte Gebiete zu konzentrieren.
Eine der besten Taktiken ist es, sich auf den nördlichen Teil der Serengeti in Tansania zu konzentrieren, anstatt direkt in die Masai Mara nach Kenia zu reisen. Die Herden verbringen auch im August und September viel Zeit in diesem Gebiet, bevor oder nachdem sie den Fluss überquert haben. Gebiete wie die Lamai Wedge bieten spektakuläre Landschaften und zahlreiche kleinere, weniger frequentierte Übergangsstellen. Der Zugang ist limitierter, was automatisch zu weniger Fahrzeugen führt. Die Wahl einer Lodge in einer privaten Konzession (Private Concession) an der Grenze zur Masai Mara ist eine weitere exzellente Option, da hier die Anzahl der Fahrzeuge streng reguliert ist.
Eine weitere fotografische Strategie besteht darin, den Fokus vom eigentlichen „Crossing“ weg zu verlagern. Die dramatischsten Bilder entstehen oft nicht während der Überquerung selbst, sondern in den Momenten davor und danach. Das Zögern und die Anspannung der riesigen Herden, die sich am Ufer sammeln, oder die Erschöpfung und das Wiedersehen nach der gefährlichen Überquerung sind emotional extrem starke Motive. Indem Sie sich auf diese narrativen Aspekte konzentrieren, können Sie abseits der Haupt-Action-Punkte arbeiten und dennoch kraftvolle Geschichten erzählen.
Schliesslich kann auch ein leichtes zeitliches Verschieben helfen. Während Anfang und Mitte August am belebtesten sind, lässt der Andrang gegen Ende September und Anfang Oktober oft schon nach, obwohl die Crossings, wie wir gesehen haben, immer noch stattfinden können. Eine Reise zu diesen Randzeiten der Hochsaison kann den perfekten Kompromiss zwischen hoher Sichtungswahrscheinlichkeit und überschaubaren Besucherzahlen bieten. Es geht darum, antizyklisch zu denken und die Hotspots zu meiden, die in jedem Standard-Reiseführer stehen.
Die bewusste Wahl der Reisezeit, basierend auf Ihrer persönlichen fotografischen Vision, ist der erste und wichtigste Schritt zu einer erfolgreichen Fotosafari. Um diese theoretischen Überlegungen in die Praxis umzusetzen, ist eine detaillierte und auf Ihre Ziele zugeschnittene Reiseplanung unerlässlich.