Publié le 15 mars 2024

Die beste Safari-Ausrüstung ist keine Ansammlung teurer Einzelteile, sondern ein präzise abgestimmtes System, bei dem jedes Gramm eine Funktion erfüllt.

  • Normale Trekking-Kleidung scheitert oft an den spezifischen UV- und Insekten-Anforderungen Afrikas.
  • Intelligente Redundanz kritischer Kleinteile ist wichtiger als ein Übermaß an Hauptausrüstung.
  • Die Farbwahl ist kein Modethema, sondern eine funktionale Anpassung an Habitat und Tierverhalten.

Empfehlung: Denken Sie nicht in Packlisten, sondern in Funktionskategorien. Analysieren Sie die genauen Anforderungen Ihrer Route und eliminieren Sie alles, was keinen spezifischen Zweck erfüllt.

Jeder erfahrene Reisende kennt das Dilemma vor einer Safari: Der Kleiderschrank ist voll, die Trekking-Ausrüstung bewährt, und doch herrscht Unsicherheit. Die üblichen Ratschläge erschöpfen sich schnell in Phrasen wie „leichte Kleidung“ und „neutrale Farben“. Man endet mit einem Berg an Ausrüstung, der die Gepäcklimits sprengt und im entscheidenden Moment doch nicht die nötige Funktion erfüllt. Die meisten Packlisten konzentrieren sich auf das „Was“, aber ignorieren das strategische „Warum“. Sie behandeln Ausrüstung als eine Checkliste, die abgehakt werden muss, nicht als ein integriertes System.

Doch was, wenn der Schlüssel zu einer perfekten Safari-Ausrüstung nicht im Überfluss, sondern in der radikalen Reduktion auf das Funktionale liegt? Was, wenn jedes einzelne Teil – von der Socke bis zur Powerbank – nicht nur „gut“, sondern für den spezifischen Kontext der afrikanischen Wildnis optimiert sein muss? Dieser Ansatz, den wir „funktionale Präzision“ nennen, ersetzt das blinde Sammeln von Gegenständen durch eine bewusste Strategie. Es geht darum, zu verstehen, warum ein Safar-Hemd anders gewebt ist als ein Wanderhemd, wann sich eine Investition in ein Premium-Fernglas wirklich auszahlt und warum die Farbe Ihrer Jacke eine direkte Reaktion bei Tieren auslösen kann.

Dieser Artikel ist kein weiterer Katalog an Produkten. Er ist ein strategischer Leitfaden, der Ihnen das System hinter einer intelligenten Ausrüstungsplanung vermittelt. Wir werden die verbreiteten Fehler analysieren, Ihnen zeigen, wie Sie Gewicht reduzieren, ohne an Funktionalität zu verlieren, und die oft übersehenen Details beleuchten, die den Unterschied zwischen einer guten und einer unvergesslichen Safari ausmachen. Sie lernen, Ihre Ausrüstung als ein Werkzeug zu betrachten, das präzise auf Ihre Mission zugeschnitten ist.

Die folgenden Abschnitte führen Sie Schritt für Schritt durch diese neue Denkweise. Sie werden entdecken, wie Sie Ihre Ausrüstung nicht nur packen, sondern strategisch komponieren, um für jede Herausforderung im Busch optimal vorbereitet zu sein.

Warum normale Trekking-Ausrüstung bei Safaris in 60% der Fälle versagt?

Die Annahme, dass bewährte Trekking-Ausrüstung automatisch für eine Safari geeignet ist, ist ein kostspieliger Irrtum. Die Anforderungen im afrikanischen Busch unterscheiden sich fundamental von denen einer Alpenüberquerung oder einer Wanderung in Skandinavien. Zwei Hauptfaktoren sind dabei entscheidend: die extreme UV-Strahlung und die aggressive Insektenwelt. Standard-Wanderkleidung, die auf Atmungsaktivität und schnelles Trocknen optimiert ist, besitzt oft eine zu lockere Gewebestruktur. Diese lässt nicht nur Mückenstiche zu, sondern bietet auch unzureichenden Schutz vor der Sonne. Eine Studie zeigt, dass nach europäischen Standards ein Ultraviolet Protection Factor von mindestens 40 (UPF 40+) als Mindestschutz gilt – ein Wert, den viele leichte Trekking-Shirts bei Weitem nicht erreichen.

Der Unterschied liegt in der mikroskopischen Struktur des Gewebes. Spezielle Safari-Kleidung verwendet eine deutlich dichtere Webart, die eine physische Barriere sowohl gegen UV-Strahlen als auch gegen Insektenstiche bildet. Das folgende Bild veranschaulicht diesen Unterschied auf mikroskopischer Ebene.

Mikroskopische Nahaufnahme von Safari- und Trekking-Stoffstrukturen im Vergleich

Wie die Nahaufnahme zeigt, blockiert die dichte Webart des Safari-Stoffs das Eindringen von Licht (und damit UV-Strahlen) weitaus effektiver als das poröse Trekking-Gewebe. Materialien wie fein gewebte Baumwolle oder dünne Merinowolle bieten hier einen hohen natürlichen Schutz. Ein weiterer Aspekt ist die Robustheit: Safari-Pfade sind oft von Dornenbüschen gesäumt. Ein ultraleichtes Kunstfaser-Shirt kann hier nach dem ersten Tag bereits beschädigt sein, während ein robusteres Baumwoll-Twill-Hemd widerstandsfähiger ist. Die funktionale Präzision bedeutet hier, nicht das leichteste, sondern das für den Kontext robusteste und schützendste Material zu wählen.

Wie Sie Ihre Safari-Packliste auf 12 kg reduzieren ohne kritische Funktionen zu opfern?

Die meisten Inlandflüge bei Safaris, etwa in Tansania oder Botswana, haben strenge Gepäcklimits von 12 bis 15 kg in weichen Taschen. Überfluss ist hier keine Option. Das Ziel ist nicht, einfach weniger mitzunehmen, sondern intelligenter zu packen. Der Schlüssel liegt in der Multifunktionalität und der Eliminierung von Redundanzen. Eine Zip-Off-Hose ersetzt beispielsweise eine lange und eine kurze Hose und spart fast 50 % Gewicht und Volumen in dieser Kategorie. Ebenso entscheidend ist die Konzentration auf feste statt flüssige Hygieneartikel (Shampoo-Bars, Zahnpasta-Tabletten), die das Gewicht drastisch reduzieren und das Risiko des Auslaufens eliminieren.

Die größten Gewichtseinsparungen werden jedoch durch eine systematische Analyse und Reduktion in allen Kategorien erzielt. Eine typische, unoptimierte Packliste kann schnell 20 kg erreichen. Durch bewusste Entscheidungen lässt sich dieses Gewicht halbieren, ohne eine einzige kritische Funktion zu verlieren. Der folgende Vergleich zeigt das Potenzial auf.

Gewichtsvergleich: Standard- vs. optimierte Safari-Packliste
Ausrüstungskategorie Standard-Gewicht Optimiertes Gewicht Einsparung
Kleidung 6-8 kg 3-4 kg 3-4 kg
Schuhe 2-3 kg 1,2 kg 0,8-1,8 kg
Hygieneartikel 2 kg 0,5 kg 1,5 kg
Elektronik 3 kg 1,8 kg 1,2 kg
Sonstiges 2 kg 0,5 kg 1,5 kg

Um diese Optimierung in die Praxis umzusetzen, bedarf es einer disziplinierten Vorgehensweise. Es geht darum, Gewohnheiten zu hinterfragen und jede Position auf der Liste kritisch zu prüfen. Der folgende Plan bietet eine konkrete Anleitung, um dieses Ziel systematisch zu erreichen.

Ihr 5-Punkte-Plan zur Gewichtsoptimierung

  1. Kleidung rollen statt falten: Spart bis zu 30% Platz im Gepäck und reduziert Knitterfalten.
  2. Flüssigkeiten umfüllen: Lotions und Shampoos in kleine Probenfläschchen (max. 100ml) füllen, um Volumen und Gewicht zu minimieren.
  3. Unnötiges zu Hause lassen: Handtücher gehören zum Standard der meisten Safari-Unterkünfte und sind überflüssiger Ballast.
  4. Multifunktionalität wählen: Eine Zip-Off-Hose ersetzt zwei Kleidungsstücke; ein Sarong dient als Schal, Handtuch und Decke.
  5. Elektronik-Zubehör minimieren: Ein Universal-Ladekabel mit Adaptern und eine einzige, leistungsstarke Powerbank ersetzen mehrere spezifische Ladegeräte.

Fernglas für 150 € oder 800 €: Wo lohnt Premium, wo reicht Budget?

Ein Fernglas ist auf Safari kein optionales Accessoire, sondern ein unverzichtbares Werkzeug. Es entscheidet darüber, ob Sie nur einen dunklen Punkt am Horizont sehen oder die feinen Fellzeichnungen eines Leoparden im Geäst erkennen. Die Preisspanne ist jedoch enorm, von günstigen Einstiegsmodellen bis hin zu Premium-Optiken, die mehrere hundert Euro kosten. Die Frage ist also: Wo liegt der Leistungs-Schwellenwert, an dem sich die Mehrausgabe wirklich lohnt? Ein Budget-Fernglas für 150 € wird bei hellem Tageslicht gute Dienste leisten. Die wahre Qualität einer Premium-Optik zeigt sich jedoch in den kritischsten Beobachtungsmomenten: in der Dämmerung und im Gegenlicht.

Ein hochwertiges Fernglas (z.B. 8×42 oder 10×42) sammelt dank größerer Objektivlinsen und besserer Glasvergütung deutlich mehr Licht. Das Ergebnis ist ein helleres, schärferes und kontrastreicheres Bild, gerade wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind – genau dann, wenn Raubkatzen am aktivsten sind. Außerdem bieten sie oft ein breiteres Sehfeld, was das schnelle Auffinden und Verfolgen von Vögeln oder rennenden Tieren erleichtert. Für den Gelegenheitsbeobachter mag ein Budget-Modell ausreichen, aber für den ambitionierten Naturfreund, der kein Detail verpassen will, ist die Investition in eine Premium-Optik ein entscheidender Vorteil. Viele erfahrene Guides und Reisende bestätigen diesen Sprung in der Qualität, wie Katrin Lehr vom Reiseblog „Viel Unterwegs“ berichtet:

Ein Fernglas ist ein absolutes Must-Have! Anfangs hatte ich ein kleines und günstiges, mittlerweile besitze ich das STEINER Fernglas Ranger Xtreme 8×56.

– Katrin Lehr, Viel Unterwegs Reiseblog

Fallstudie: Mietoption als Alternative zum Kauf bei Spezialobjektiven

Ein ähnliches Prinzip gilt für die Fotografie. Ein spezielles Teleobjektiv wie das Sony 200-600mm kostet über 2000 €. Für eine einmalige Reise ist das eine immense Investition. Eine smarte Alternative ist das Mieten der Ausrüstung. Anbieter wie mietdeinobjektiv.de verleihen solche Spezialobjektive für etwa 100-150 € pro Woche. Dies ermöglicht den Zugang zu professioneller Ausrüstung für einen Bruchteil des Kaufpreises und ist ein perfektes Beispiel für funktionale Präzision: maximale Leistung für den spezifischen Anwendungszeitraum, ohne langfristige Kapitalbindung und unnötigen Besitz.

Welche 5 Ausrüstungsteile Sie doppelt mitnehmen sollten: Die Redundanz-Regel?

Während das Ziel die Gewichtsreduktion ist, gibt es einen Bereich, in dem gezielter „Überfluss“ überlebenswichtig ist: die Redundanz. Der Redundanz-Kalkül besagt, dass nicht alles, sondern nur kritische Kleinteile mit hohem Ausfallrisiko oder katastrophalen Verlustfolgen doppelt vorhanden sein müssen. Ein zweites Paar Hosen ist Luxus, aber ein defektes Ladekabel für die Kamera kann das Ende der fotografischen Dokumentation bedeuten. Es geht darum, die „Single Points of Failure“ in Ihrem Ausrüstungssystem zu identifizieren und abzusichern. Dies sind typischerweise kleine, leicht zu verlierende oder empfindliche Elektronikteile und überlebenswichtige persönliche Gegenstände.

Die Erfahrung vieler Reisender zeigt, dass nicht der Verlust des Hauptgepäcks das größte Problem ist, sondern der Ausfall eines unscheinbaren, aber essenziellen Teils. Die richtige Redundanzstrategie kostet nur wenige Gramm, bietet aber maximale Sicherheit. Folgende fünf Items gelten als kritische Redundanz-Kandidaten:

  • Ladekabel für Kamera und GPS: Der häufigste „Single Point of Failure“ Ihrer gesamten Dokumentation und Navigation.
  • Ersatz-Akkus für die Kamera: Mindestens 2-3 Stück, da Lademöglichkeiten unzuverlässig sein können und oft nur wenige Stunden zur Verfügung stehen.
  • Physische Kopien von Reisepass und Visum: Idealerweise laminiert und an einem anderen Ort als die Originale aufbewahrt (z.B. im Hauptgepäck, während Originale am Körper sind).
  • Persönliche, verschreibungspflichtige Medikamente: Eine Dosis im Handgepäck, eine zweite im Hauptgepäck, um den Verlust des Koffers abzufedern.
  • Eine zweite, kleinere Powerbank: Als Backup für die Haupt-Powerbank oder für Tagesausflüge, bei denen das große Modell im Camp bleibt.

Die Wichtigkeit, zumindest eine Grundausstattung für den ersten Tag im Handgepäck zu haben, kann nicht genug betont werden. Gepäckverspätungen sind auf Flügen mit mehreren Umstiegen in Afrika keine Seltenheit.

Beim Hinflug rate ich mittlerweile immer, einmal Ersatzkleidung für den nächsten Tag einzupacken, falls es wirklich mal passiert, und das aufgegebene Gepäck erst 1 bis 2 Tage später ankommt. Ist uns leider alles schon passiert.

– Viel Unterwegs Reiseblog

Wie Sie 7 Tage ohne Strom Ihre Elektronik am Laufen halten: Powerbank-Kalkulation?

Die Vorstellung von 24/7-Stromversorgung ist in vielen Safari-Camps eine Illusion. Viele Lodges, insbesondere in abgelegenen Gebieten wie dem Serengeti-Nationalpark oder dem Okavango-Delta, setzen auf Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass die meisten Safari-Unterkünfte in Afrika mit Solarstrom betrieben werden, der oft nur stundenweise am Abend über einen Generator zur Verfügung steht. Sich auf eine konstante Ladequelle zu verlassen, ist daher riskant. Das Ziel muss Energie-Autarkie für den Zeitraum zwischen zwei gesicherten Ladepunkten sein – oft bis zu einer Woche.

Die Grundlage dafür ist eine präzise Kalkulation des eigenen Energiebedarfs. Addieren Sie die Akkukapazitäten (in mAh) aller Geräte, die Sie täglich laden müssen (Smartphone, Kamera-Akku, Smartwatch). Ein modernes Smartphone hat ca. 4.000-5.000 mAh, ein Kamera-Akku ca. 1.500-2.000 mAh. Für einen Tag benötigen Sie also rund 7.000 mAh. Für 3-4 Tage Puffer ist eine Powerbank mit mindestens 20.000 mAh Kapazität die absolute Untergrenze. Eine 30.000 mAh-Powerbank bietet mehr Sicherheit. Doch die Kapazität allein reicht nicht. Eine smarte Energiestrategie umfasst weitere Punkte: Aktivieren Sie den Ultra-Stromsparmodus bei allen Geräten, nutzen Sie jede Ladegelegenheit im Safari-Fahrzeug (viele sind mit USB-Ports ausgestattet) und packen Sie einen Mehrfachstecker ein, um in den kurzen Generator-Laufzeiten mehrere Geräte gleichzeitig laden zu können.

Minimalistisches Energie-Management-Setup für Safari

Ein durchdachtes Energie-Setup ist minimalistisch, aber hochfunktional. Es besteht aus einer Haupt-Powerbank, den nötigen Kabeln und Adaptern sowie eventuell einem kleinen Solarpanel für Notfälle. Dieses System stellt sicher, dass Ihre Dokumentations- und Navigationsgeräte auch nach mehreren Tagen im Busch noch einsatzbereit sind. Der Verzicht auf unnötige Elektronik-Gadgets ist hierbei der erste Schritt zur Reduzierung des Energiebedarfs.

Wie Sie Ihre Route von der Serengeti zum Kilimandscharo in 14 Tagen optimal planen?

Eine Reiseroute, die so unterschiedliche Ökosysteme wie die heiße, trockene Savanne der Serengeti und die kalten, alpinen Zonen des Kilimandscharo kombiniert, stellt die ultimative Herausforderung an die funktionale Präzision Ihrer Ausrüstung dar. Hier versagt der Ansatz „eine Ausrüstung für alles“ vollständig. Stattdessen müssen Sie in einem modularen Schichtsystem denken, das sich an extreme Temperatur- und Höhenunterschiede anpassen lässt. Die Basis für beide Umgebungen bleibt dieselbe: feuchtigkeitsableitende Unterwäsche und robuste, atmungsaktive Safari-Hosen und -Hemden in neutralen Farben. Diese bilden das Fundament Ihrer Ausrüstung.

Für den Serengeti-Teil (typischerweise auf 1.500 m Höhe mit Tagestemperaturen um 25-30°C) wird dieses Basis-Layer durch einen leichten Fleece für kühle Morgen- und Abendstunden ergänzt. Der Fokus liegt hier auf Sonnenschutz (Hut mit breiter Krempe, Sonnenbrille) und Staubschutz (ein leichtes Tuch oder Buff). Sobald die Route in Richtung Kilimandscharo führt, wird dieses System radikal erweitert. Die Besteigung erfordert ein alpines Layering-System. Über die Basis-Schicht kommen:

  • Eine mittlere Isolationsschicht (z.B. ein dickerer Fleece oder eine leichte Daunenjacke)
  • Eine wasser- und winddichte Hardshell-Jacke und -Hose
  • Thermische Unterwäsche für die Gipfelnacht
  • Warme Mütze, Handschuhe und dicke Socken

Der Trick besteht darin, dass die meisten Teile multifunktional sind. Die leichte Daunenjacke für den Kili dient auch in kühlen Nächten im Ngorongoro-Krater. Der leichte Fleece aus der Serengeti ist eine der mittleren Schichten am Berg. Statt zwei komplett getrennte Ausrüstungen zu packen, bauen Sie ein System auf, bei dem 90% der Gegenstände in beiden Umgebungen eine Rolle spielen. Das ist maximale Funktionalität bei minimaler Redundanz und die Essenz einer gut geplanten Ausrüstung für eine solche Kombi-Reise.

Wie Sie Kleidungsfarben an Savanne, Wald oder Wüste anpassen: Der Habitat-Guide?

Die oft wiederholte Regel „neutrale Farben“ ist eine unzureichende Vereinfachung. Die optimale Farbwahl ist eine direkte Funktion des Habitats, in dem Sie sich bewegen. Dies nennen wir Habitat-Adaption. Die falsche Farbe kann nicht nur Tiere verschrecken, sondern auch aktiv gefährliche Insekten anlocken. Ein klassisches Beispiel ist die Tsetsefliege, Überträger der Schlafkrankheit. Studien und Praxiserfahrungen belegen eindeutig: In Tsetse-Fliegen-Gebieten sollte die Farbkombination Schwarz und Blau komplett vermieden werden, da sie diese Insekten magisch anzieht.

Die Tarnwirkung der Kleidung hängt ebenfalls vom spezifischen Umfeld ab. Was in der Savanne funktioniert, kann im Wald kontraproduktiv sein. Eine strategische Farbwahl berücksichtigt diese Nuancen, um entweder die Sichtbarkeit zu minimieren oder den klimatischen Bedingungen gerecht zu werden. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über habitat-spezifische Farbempfehlungen.

Habitat-spezifische Farbempfehlungen
Habitat Empfohlene Farben Zu vermeiden Begründung
Savanne Khaki, Sand, Beige Neonfarben, Schwarz Optimale Tarnung, keine Insektenanziehung
Wald Dunkelgrün, Braun Helle Töne, Weiß Vermeidung als ‘heller Fleck’ im Schatten
Wüste Hellbeige, Weiß Dunkle Farben Hitzereflektion wichtiger als Tarnung
Tsetse-Gebiete Erdtöne Blau, Schwarz Diese Farben ziehen Tsetsefliegen an

Weiß ist eine ambivalente Farbe. In der Wüste ist sie ideal zur Hitzereflektion. In der Savanne kann sie jedoch von Tieren als Alarmsignal wahrgenommen werden, ähnlich dem aufgestellten weißen Schwanz eines flüchtenden Impalas. Daher sind gebrochene Weißtöne wie Hellbeige oder Sand oft die bessere Wahl. Die Garderobe sollte so zusammengestellt sein, dass sie für die primären Habitate Ihrer Reiseroute optimiert ist. Für eine klassische Tansania-Safari bedeutet das eine Konzentration auf Khaki-, Sand- und Olivtöne.

Das Wichtigste in Kürze

  • Funktion vor Form: Jedes Ausrüstungsteil muss einen spezifischen, im Safari-Kontext validierten Zweck erfüllen.
  • Systemdenken statt Listen abhaken: Betrachten Sie Ihre Ausrüstung als ein modulares System, das sich an Gewichtslimits, Klima und Habitat anpasst.
  • Gezielte Investition: Sparen Sie bei austauschbaren Basics, aber investieren Sie in kritische Leistungsträger wie Optik und Schutzbekleidung.

Farbpsychologie im Busch: Warum Ihre Kleidung Tiere beeinflusst

Die Wahl der Kleiderfarbe auf Safari ist weit mehr als eine ästhetische Entscheidung; sie ist eine Form der nonverbalen Kommunikation mit der Tierwelt. Tiere nehmen Farben anders wahr als Menschen. Viele Säugetiere, einschließlich der meisten Raub- und Beutetiere, sind partiell farbenblind und reagieren eher auf Kontraste und Helligkeitswerte als auf spezifische Farbtöne. Eine leuchtend rote oder neongrüne Jacke mag für sie nicht „rot“ oder „grün“ aussehen, aber sie stellt einen unnatürlich hellen, kontrastreichen Fleck in der Landschaft dar. Dies kann als Störsignal interpretiert werden, das Tiere nervös macht und zur Flucht veranlasst.

Fallstudie aus der Praxis: Farbwahl beim Gorilla-Trekking

Eine Reisebloggerin berichtet von ihrer prägenden Erfahrung beim Gorilla-Trekking in Uganda: Bei strömendem Regen trug sie eine leuchtend türkisfarbene Jacke. Sie fühlte sich in der gedämpften, grünen Umgebung des Regenwaldes wie ein Fremdkörper und bemerkte die zurückhaltenden Reaktionen der Tiere. Unmittelbar nach dieser Erfahrung investierte sie in Kleidung in gedeckten Naturfarben wie Khaki, Beige und Braun, um bei zukünftigen Walking Safaris besser mit der Umgebung zu verschmelzen und die Tierbeobachtung nicht negativ zu beeinflussen.

Dunkle Farben wie Dunkelblau und Schwarz sollten aus einem anderen Grund vermieden werden: Sie absorbieren nicht nur mehr Hitze, was tagsüber unangenehm ist, sondern heben sich auch als dunkle, massive Silhouette von der Umgebung ab. Dies kann von Tieren als Bedrohung wahrgenommen werden. Zudem ziehen sie, wie bereits erwähnt, stechende Insekten an. Die Quintessenz der Farbpsychologie im Busch ist einfach, wie es die Reiseexpertin Tanja Klindworth zusammenfasst:

Neongrün und Pink würden wilde Tiere nervös machen, dunkelblau und schwarz zieht die Mücken an. Darum am besten den Khaki-Look oder den Sand, beige Look anziehen.

– Tanja Klindworth, Unterwegs und Daheim Blog

Indem Sie sich für gedeckte Erdtöne entscheiden, die dem Farbspektrum der natürlichen Umgebung entsprechen, werden Sie Teil der Landschaft statt ein Störfaktor. Dies erhöht nicht nur die Chancen auf authentische und nahe Tierbegegnungen, sondern zeugt auch von Respekt gegenüber der Tierwelt. Es ist der letzte, feine Pinselstrich in der Komposition Ihrer funktionalen Ausrüstung.

Um Ihre nächste Safari von Grund auf strategisch zu planen und eine Ausrüstung zusammenzustellen, die präzise auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist, ist eine professionelle Analyse der Route und der Anforderungen der erste Schritt. Beginnen Sie jetzt damit, Ihre Ausrüstung als ein funktionales System zu betrachten.

Rédigé par Thomas Becker, Thomas Becker ist Facharzt für Tropenmedizin und zertifizierter Wilderness Medicine Instructor (WMI) mit 13 Jahren Erfahrung in der medizinischen Beratung und Ausrüstungsoptimierung für Remote-Safaris und Expeditionen. Er leitet die reisemedizinische Ambulanz eines Universitätsklinikums und ist technischer Berater für Safari-Ausrüstungshersteller.