Publié le 11 mai 2024

Ethisches Verhalten auf Safari ist mehr als das Befolgen von Regeln – es ist das Verstehen des „Warum“ hinter jeder Anweisung, um vom passiven Beobachter zum aktiven Tierschützer zu werden.

  • Lärm und abrupte Bewegungen lösen messbare physiologische Stressreaktionen bei Wildtieren aus.
  • Die richtige Kleiderwahl ist keine Modefrage, sondern eine essenzielle Tarnmaßnahme, die direkt die Fluchtdistanz beeinflusst.

Empfehlung: Trainieren Sie Ihre Fähigkeit, die subtile Körpersprache der Tiere zu lesen. Dies ist der Schlüssel, um deren Komfortzonen zu respektieren und echte, ungestörte Momente zu erleben.

Jeder Reisende, der sich auf eine Safari begibt, träumt von diesem einen magischen Moment: der stillen Begegnung mit einem Leoparden im Schatten eines Baumes, dem friedlichen Grasen einer Elefantenherde oder dem majestätischen Blick eines Löwen in der Abenddämmerung. Um diese Erlebnisse zu ermöglichen, gibt es eine Reihe von allgemein bekannten Regeln: Halten Sie Abstand, seien Sie leise, verwenden Sie keinen Blitz. Diese Ratschläge sind die Grundlage jeder Safari-Etikette. Doch sie kratzen nur an der Oberfläche dessen, was es wirklich bedeutet, ein respektvoller und ethisch handelnder Gast in der Wildnis zu sein.

Doch was, wenn der wahre Schlüssel zu unvergesslichen und tierschonenden Beobachtungen nicht im bloßen Befolgen von Vorschriften liegt, sondern im tiefen Verständnis der Gründe dahinter? Wenn wir nicht nur wissen, *was* wir tun sollen, sondern *warum* es die Tiere schützt? Dieser Perspektivwechsel transformiert uns von regelkonformen Touristen zu proaktiven Verbündeten des Tierschutzes. Es geht um die Anwendung von Prinzipien der Verhaltensbiologie und Stressphysiologie, um unsere Auswirkungen zu minimieren und die Integrität der Tierwelt zu wahren. Wir sprechen hier von Compliance-Exzellenz – dem Bestreben, nicht nur die Regeln zu befolgen, sondern vorbildlich zu handeln.

Dieser Artikel führt Sie über die Standardregeln hinaus. Er entschlüsselt die wissenschaftlichen und ethischen Prinzipien, die das Fundament für vorbildliches Verhalten im Busch bilden. Sie lernen, die subtilen Signale der Tiere zu deuten, die Psychologie hinter der richtigen Kleiderwahl zu verstehen und in kritischen Situationen souverän zu handeln. Ziel ist es, Ihnen das Wissen zu vermitteln, um jede Safari nicht nur für Sie, sondern auch für die Tierwelt zu einem positiven Erlebnis zu machen.

Um Sie systematisch vom wissenden zum exzellent handelnden Safari-Gast zu führen, gliedert sich dieser Leitfaden in präzise Verhaltensbereiche. Entdecken Sie die wissenschaftlichen Hintergründe, praktische Anleitungen und ethische Abwägungen, die Ihr Safari-Erlebnis nachhaltig verändern werden.

Warum « Motor aus bei Sichtungen » Tierstress um 60% reduziert: Die Wissenschaft der Regeln?

Die Anweisung, den Motor bei einer Tiersichtung abzustellen, ist eine der fundamentalsten Regeln auf Safari. Sie dient jedoch weit mehr als nur der Vermeidung von Lärm. Aus Sicht der Stressphysiologie von Wildtieren ist ein laufender Motor eine Quelle von permanenten, unnatürlichen Vibrationen und niederfrequenten Geräuschen. Diese Signale werden von vielen Tieren, insbesondere von Fluchttieren, als potenzielle Bedrohung interpretiert. Selbst ein leises Brummen im Leerlauf kann den Cortisolspiegel – ein klares Stresshormon – im Blut der Tiere messbar erhöhen. Die im Titel genannte Reduktion um 60 % verdeutlicht, wie signifikant unsere kleinste Handlung ist.

Ein ausgeschalteter Motor signalisiert den Tieren, dass von dem großen, unbeweglichen Objekt keine unmittelbare Gefahr ausgeht. Dies ermöglicht es ihnen, ihr natürliches Verhalten fortzusetzen, anstatt in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit zu verfallen. Plötzliche Geräusche, wie das laute Klicken eines Funkgeräts oder das mechanische Geräusch eines Kameraauslösers, können diesen fragilen Frieden sofort zerstören. Sie werden von den Tieren oft als Warnsignale interpretiert, ähnlich dem Knacken eines Astes unter dem Tritt eines Raubtiers. Wahre Ethik der Nichteinmischung bedeutet daher, unsere gesamte sensorische Signatur zu minimieren.

Das Ziel ist es, zu einem neutralen Teil der Landschaft zu werden. Jedes Tier besitzt eine individuelle Komfortzone, die respektiert werden muss, um Stress zu vermeiden. Indem wir unsere akustischen und vibratorischen Störungen auf ein absolutes Minimum reduzieren, tragen wir aktiv dazu bei, dass sich die Tiere sicher und ungestört fühlen. So werden aus flüchtigen Sichtungen oft lange, faszinierende Beobachtungsmomente.

Wie Sie die Mindestdistanz zu Elefanten, Raubkatzen und Nashörnern richtig einschätzen?

Die Einhaltung eines Mindestabstands ist eine zentrale Säule des respektvollen Wildtiertourismus. Während allgemeine Richtlinien oft einen Mindestabstand von 5 bis 10 Metern zu Großtieren empfehlen, ist diese Zahl nur ein grober Anhaltspunkt. Die wahre Kunst besteht darin, die individuelle Fluchtdistanz eines Tieres zu erkennen und zu respektieren. Diese Distanz ist keine feste Größe, sondern hängt von der Tierart, der Situation (z.B. ob Jungtiere anwesend sind) und der individuellen Toleranz des Tieres ab. Exzellentes Verhalten bedeutet, nicht nur die Regel, sondern das Tier selbst zu « lesen ».

Anstatt sich auf Meterangaben zu verlassen, sollten Sie lernen, die Körpersprache der Tiere zu deuten. Dies sind die wahren Indikatoren dafür, ob Sie eine unsichtbare Grenze überschritten haben. Ein Elefant, der plötzlich mit den Ohren spielt, zeigt Unsicherheit. Ein Löwe, der ausgiebig gähnt, versucht möglicherweise, Stress abzubauen. Und ein Leopard, dessen Schwanzspitze nervös zuckt, ist sichtlich irritiert. Diese subtilen Signale sind die Sprache des Busches, und wer sie versteht, kann proaktiv handeln, bevor das Tier sich zur Flucht gezwungen fühlt.

Die folgende Tabelle hilft Ihnen, die wichtigsten Stresssignale bei Schlüsselarten zu erkennen und richtig zu reagieren. Ihre Aufgabe als ethischer Beobachter ist es, bei den ersten Anzeichen von Unbehagen den Abstand zu vergrößern oder sich vollständig zurückzuziehen.

Verhaltensindikatoren für zu geringe Distanz
Tierart Stresssignal Bedeutung Reaktion
Löwe Gähnen Stress/Unbehagen Abstand vergrößern
Elefant Ohrenspiel Unsicherheit Motor abstellen
Leopard Schwanzzucken Irritation Langsam zurückziehen
Nashorn Kopfheben Aufmerksamkeit Position halten

Indem Sie diese Indikatoren erlernen, verwandeln Sie sich von einem passiven Passagier in einen aktiven, verantwortungsbewussten Teilnehmer der Safari, der das Wohl der Tiere an erste Stelle setzt.

Das perfekte Foto oder Tierwohl: Wo Sie die Grenze ziehen müssen?

Die moderne Fotografie ermöglicht atemberaubende Tieraufnahmen, birgt aber auch die Gefahr, ethische Grenzen zu überschreiten. Die Jagd nach dem « perfekten Schuss » kann dazu verleiten, Tiere zu bedrängen, ihren Raum zu verletzen oder sie zu unnatürlichem Verhalten zu provozieren. Die goldene Regel der ethischen Wildtierfotografie lautet: Das Wohlergehen des Tieres hat immer Vorrang vor dem Foto. Ein gutes Bild entsteht durch Geduld, das richtige Equipment und das Verständnis für das Tier – nicht durch Nötigung.

Ein Teleobjektiv ist dabei Ihr wichtigstes Werkzeug. Es ermöglicht Ihnen, beeindruckende Nahaufnahmen zu machen, während Sie einen respektvollen Abstand wahren. Der Einsatz von Blitzlicht ist absolut tabu. Es kann die empfindlichen Augen der Tiere, insbesondere nachtaktiver Arten, erschrecken und sogar dauerhaft schädigen. Vermeiden Sie außerdem ständiges digitales Zoomen oder häufige Positionswechsel, da diese Unruhe eine subtile Form der Belästigung darstellt und Stress verursacht. Die wahre Meisterschaft zeigt sich darin, einen Moment so zu akzeptieren, wie er ist, anstatt ihn manipulieren zu wollen.

Die folgende Abbildung illustriert die ideale Haltung: Geduld und Distanz, ermöglicht durch die richtige Ausrüstung, führen zu einem respektvollen Miteinander und authentischen Aufnahmen.

Safari-Fotograf mit Teleobjektiv hält großen Abstand zu ruhenden Löwen

Manchmal ist das beste Foto jenes, das man nicht macht. Wenn ein Tier keine Anstalten macht, sich zu nähern oder sich zu zeigen, ist es ein Akt des Respekts, die Kamera sinken zu lassen und den Moment einfach nur zu genießen. Wie es ein Experte im Animal Friendly Travel Guidelines treffend formuliert:

Warten Sie bei ausgeschaltetem Motor, ob es sich nähert. Und wenn nicht, genießen Sie einfach den Moment ohne Kamera.

– Green Travel Blog, Animal Friendly Travel Guidelines

Was tun, wenn Sie zu Fuß unerwartet auf einen Löwen treffen: 7 Verhaltensregeln?

Obwohl Begegnungen mit Raubtieren zu Fuß extrem selten sind, besonders wenn man sich an die Parkregeln hält und in Begleitung eines erfahrenen Guides ist, ist es entscheidend, die richtigen Verhaltensweisen für den Notfall zu kennen. Panik ist in einer solchen Situation Ihr größter Feind. Der Schlüssel zum Überleben liegt darin, die Instinkte des Tieres zu verstehen und nicht als Beute zu agieren. Ein weglaufender Mensch löst unweigerlich den Jagdinstinkt eines Löwen aus. Daher lautet die oberste Regel: Niemals weglaufen.

Stattdessen müssen Sie dem Tier signalisieren, dass Sie keine leichte Beute, sondern eine potenzielle Bedrohung sind. Machen Sie sich so groß wie möglich, indem Sie sich langsam aufrichten und die Arme ausbreiten. Sprechen Sie mit lauter, fester Stimme, ohne zu schreien. Vermeiden Sie direkten Augenkontakt, da dies als Herausforderung interpretiert werden kann, behalten Sie das Tier aber stets im peripheren Sichtfeld. Ziehen Sie sich langsam und ohne Hektik rückwärts zurück. Drehen Sie dem Tier niemals den Rücken zu.

Die folgenden sieben Regeln sind Ihr mentaler Anker in einer solchen Extremsituation. Sie basieren auf jahrzehntelanger Erfahrung von Wildhütern und Verhaltensforschern:

  1. Niemals weglaufen – dies löst den Jagdinstinkt aus.
  2. Größe zeigen durch langsames Aufrichten und Arme ausbreiten.
  3. Augenkontakt vermeiden – direkter Blick wird als Herausforderung interpretiert.
  4. Langsam rückwärts gehen, dabei das Tier im peripheren Blickfeld behalten.
  5. Mit fester, lauter Stimme sprechen, ohne zu schreien.
  6. Niemals den Rücken zudrehen oder sich bücken.
  7. Bei einem Angriff: Sich groß machen, Lärm machen und notfalls mit Gegenständen werfen.

In den allermeisten Fällen wird ein Löwe, der nicht provoziert wird oder sich in die Enge getrieben fühlt, das Interesse verlieren und sich zurückziehen. Das Befolgen dieser Regeln maximiert Ihre Chancen, eine solche Begegnung unbeschadet zu überstehen.

Wie Sie mit anderen Gästen umgehen, die Tiere bedrängen: Konfrontation oder Meldung?

Es ist eine frustrierende Situation: Sie beobachten ein Tier aus respektvoller Entfernung, als ein anderes Fahrzeug vorfährt, den Motor laufen lässt und zu nahe an das Tier heranfährt. Wie reagiert man richtig, ohne die Situation eskalieren zu lassen? Direkte Konfrontation kann zu Konflikten führen, während Nichtstun sich wie Verrat am Tierschutz anfühlt. Die Lösung liegt in einer deeskalierenden, aber klaren Kommunikation.

Oft geschieht Fehlverhalten nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit. Ein diplomatischer Ansatz ist daher meist am effektivsten. Statt Vorwürfen kann eine informierende Frage Wunder wirken. Die 3-stufige Deeskalations-Methode bietet hierfür einen klaren Handlungsrahmen, um andere Gäste aufzuklären, ohne sie anzugreifen. Wie Experten für sanften Wildtiertourismus betonen, soll der Mensch als neutraler Teil der Umgebung akzeptiert werden, was nur durch die Einhaltung von Grundregeln möglich ist. Ein ruhiger, informativer Dialog kann dazu beitragen, dieses Bewusstsein zu schärfen.

Versuchen Sie es mit dieser von Pinto Africa empfohlenen Strategie, um die Situation konstruktiv zu lösen:

  1. Stufe 1 – FRAGE: Sprechen Sie die Person höflich an, beginnend mit einer informativen Frage wie: « Entschuldigung, wussten Sie, dass das Zucken des Schwanzes beim Leoparden ein Stresszeichen ist? » Dies vermittelt Information ohne Vorwurf.
  2. Stufe 2 – INFO: Wenn die Person offen reagiert, erklären Sie sachlich, warum das Verhalten problematisch ist. Zum Beispiel: « Wenn wir zu nahe sind, fühlt er sich bedrängt und könnte sein Versteck für immer verlassen. »
  3. Stufe 3 – BITTE: Bitten Sie freundlich um eine Verhaltensänderung oder schlagen Sie eine Alternative vor: « Könnten wir vielleicht alle ein paar Meter zurückfahren, damit er sich entspannt? Dann bleibt er vielleicht länger. »

Sollte dieser Ansatz auf aggressive Ablehnung stoßen oder das Verhalten eine akute Gefahr für das Tier darstellen, ist die Konfrontation beendet. In diesem Fall ist es Ihre Pflicht, sich das Kennzeichen des Fahrzeugs und die Details des Vorfalls zu notieren und dies so schnell wie möglich der Parkverwaltung oder Ihrem Lodge-Management zu melden. Sie sind nicht allein für die Durchsetzung der Regeln verantwortlich, aber Sie sind ein wichtiger Zeuge.

Die 4 Red Flags, die zeigen, dass Ihr Guide Tiere bedrängt statt respektiert

Ihr Safari-Guide ist Ihr wichtigster Partner im Busch. Ein guter Guide ist nicht nur ein exzellenter Tierspürer, sondern auch ein verantwortungsbewusster Hüter der Wildnis. Leider gibt es, oft getrieben durch den Druck, den Gästen ein « einzigartiges Erlebnis » zu bieten, auch Guides, die Tierschutzregeln missachten. Es ist Ihre Verantwortung als ethischer Tourist, dieses Verhalten zu erkennen und nicht zu tolerieren.

Achten Sie auf klare Warnsignale, sogenannte « Red Flags ». Ein Guide, der für ein besseres Foto absichtlich die vorgeschriebenen Wege verlässt, zerstört nicht nur empfindliche Vegetation, sondern kann Tieren auch Fluchtwege abschneiden. Das absichtliche Aufheulenlassen des Motors, um eine Reaktion bei einem Tier zu provozieren – zum Beispiel das Aufrichten eines schlafenden Löwen – ist eine inakzeptable Form der Tierquälerei. Ebenso problematisch ist das Monopolisieren einer Sichtung, indem der Standort nicht an andere Guides weitergegeben wird, was zu einer ungesunden Konzentration von Fahrzeugen bei einem einzelnen Tier führt, sobald es entdeckt wird.

Die folgende Übersicht fasst die vier häufigsten Red Flags zusammen, die auf unethisches Verhalten eines Guides hindeuten. Das Erkennen dieser Verhaltensweisen ist der erste Schritt, um als Gast Verantwortung zu übernehmen.

Red Flags bei unethischen Safari-Guides
Red Flag Verhalten Konsequenz für Tiere
Off-Road-Besessenheit Verlässt Pisten für Fotos Zerstörung von Vegetation, blockierte Fluchtwege
Motor-Manipulation Lässt Motor aufheulen Provoziert Stressreaktionen für Fotos
Geheimniskrämerei Monopolisiert Sichtungen Überfüllung bei einzelnen Tieren
Rangordnungs-Missachtung Drängelt sich vor Verkehrschaos stresst Wildtiere

Fallstudie: Der Teufelskreis aus Erwartungsdruck und Fehlverhalten

Eine Analyse in der TAZ zeigt einen problematischen Kreislauf auf: Touranbieter versprechen ein einzigartiges Erlebnis, das viele Gäste dann auch einfordern. Die Guides stehen unter Druck, diese Wünsche zu erfüllen, und missachten daher oft den Tierschutz. Wie eine Recherche zum Thema Safaris und Tierschutz feststellt, setzen Guides oft alles daran, den Wünschen der Touristen zu entsprechen, was zu einer systematischen Missachtung von Tierschutzstandards führen kann. Dies unterstreicht die Verantwortung des Gastes, keine unrealistischen Forderungen zu stellen und ethisches Verhalten aktiv zu unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verstehen statt nur befolgen: Wahre Ethik beginnt mit dem Verständnis der Verhaltensbiologie und Stressphysiologie der Tiere.
  • Distanz ist relativ: Lernen Sie, die Körpersprache der Tiere zu lesen, um ihre individuelle Komfortzone zu respektieren, anstatt sich an feste Meterangaben zu klammern.
  • Passivität ist eine aktive Entscheidung: Das beste Verhalten ist oft, sich unsichtbar zu machen – durch Stille, Tarnfarben und die Bereitschaft, auf ein Foto zu verzichten.

Warum Rot und Weiß Wildtiere 3x häufiger in Flucht versetzen als Khaki?

Die Empfehlung, auf Safari neutrale Farben wie Khaki, Beige oder Olivgrün zu tragen, ist mehr als eine modische Tradition. Sie basiert auf den Prinzipien der sensorischen Ökologie – dem Studium, wie Tiere ihre Umwelt wahrnehmen. Viele Säugetiere, insbesondere Huftiere, die eine primäre Beute für Raubkatzen darstellen, haben eine andere Farbwahrnehmung als der Mensch. Sie sehen die Welt nicht in dem Farbspektrum, das wir gewohnt sind, können aber Kontraste extrem gut erkennen.

Grelle Farben wie Rot oder leuchtendes Weiß heben sich dramatisch von der natürlichen Palette der Savanne ab. Sie wirken wie ein unnatürliches Signal, das sofort Aufmerksamkeit erregt und als potenzielle Gefahr interpretiert wird. Weiß wird in der Natur oft mit Alarm assoziiert – man denke an die weißen Unterseiten der Schwänze von flüchtenden Antilopen. Eine Studie zur Farbwirkung bestätigt, dass es bei grellen Farben zu einer dreimal höheren Fluchtreaktion kommen kann als bei gedeckten Erdtönen. Das Tragen solcher Farben macht Sie für die Tiere sichtbarer und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Flucht ergreifen, lange bevor Sie in ihre Nähe kommen.

Das Ziel Ihrer Kleiderwahl sollte es sein, visuell mit der Umgebung zu verschmelzen. Es geht darum, Ihre menschliche Silhouette aufzulösen und nicht als fremdes, potenziell bedrohliches Element wahrgenommen zu werden. Die folgende Aufnahme verdeutlicht, wie sich neutrale Stofftexturen nahtlos in die natürliche Umgebung einfügen.

Makroaufnahme von Safari-Kleidung in neutralen Erdtönen neben der afrikanischen Vegetation

Auch starke Muster wie schwarze und weiße Streifen sollten vermieden werden, da sie ebenfalls einen hohen Kontrast erzeugen. Indem Sie sich für Kleidung entscheiden, die den Farben von Erde, Felsen und trockener Vegetation ähnelt, minimieren Sie Ihre visuelle Störung und maximieren Ihre Chancen auf nahe und ungestörte Tierbeobachtungen.

Farbpsychologie im Busch: Warum Ihre Kleidung Tiere beeinflusst

Die Wahl der richtigen Kleidung ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Methoden, um als Safari-Gast Respekt gegenüber der Tierwelt zu zeigen. Wie wir gesehen haben, geht es dabei weniger um Mode als um angewandte Verhaltensbiologie. Ihre Kleidung ist Ihre Tarnung. Sie entscheidet darüber, ob Sie als neutraler Teil der Landschaft oder als auffälliges Störelement wahrgenommen werden. Die Investition in die richtige Garderobe ist eine Investition in bessere, längere und ethischere Tierbeobachtungen.

Neben der Farbe spielt auch das Material eine Rolle. Baumwolle und Leinen sind synthetischen Stoffen oft vorzuziehen, da sie weniger Licht reflektieren und bei Bewegung leisere Geräusche machen. Es geht darum, eine ganzheitliche Strategie der Unauffälligkeit zu verfolgen, die sowohl visuelle als auch akustische Aspekte berücksichtigt. Denken Sie bei der Packliste daran, dass jede einzelne Entscheidung – von der Farbe Ihrer Jacke bis zum Material Ihrer Hose – einen direkten Einfluss auf Ihr Safari-Erlebnis und das Wohlbefinden der Tiere hat.

Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern und sicherzustellen, dass Sie für jede Situation optimal vorbereitet sind, dient die folgende Checkliste als praktischer Leitfaden für Ihre Garderobe. Sie fasst die wichtigsten Prinzipien der Farbpsychologie im Busch zusammen und hilft Ihnen, eine bewusste und tierfreundliche Auswahl zu treffen.

Ihr Aktionsplan für die perfekte Safari-Garderobe

  1. Neutrale Farben wählen: Priorisieren Sie Kleidung in Khaki, Beige, Olivgrün und anderen Erdtönen, um visuell mit der Landschaft zu verschmelzen.
  2. Weiß strikt vermeiden: Verzichten Sie vollständig auf weiße Kleidungsstücke, da diese Farbe in der Natur oft als Alarmsignal dient.
  3. Kein Rot oder andere Signalfarben tragen: Lassen Sie leuchtende Farben zu Hause, da sie einen extremen und unnatürlichen Kontrast zur Vegetation bilden.
  4. Auf starke Muster verzichten: Vermeiden Sie auffällige Muster wie breite Streifen oder große Karos, die Ihre Silhouette betonen anstatt sie aufzulösen.
  5. Naturfasern bevorzugen: Wählen Sie Baumwolle oder Leinen statt glänzender synthetischer Stoffe, um die UV-Reflexion zu reduzieren und Geräusche zu minimieren.

Indem Sie diese Grundsätze verinnerlichen und anwenden, werden Sie mehr als nur ein Tourist. Sie werden zu einem Botschafter für einen nachhaltigen und respektvollen Tourismus, der die Schönheit der Wildnis für zukünftige Generationen bewahrt. Ihre Verhaltens-Exzellenz ist Ihr Beitrag zum Schutz dieser unersetzlichen Ökosysteme.

Häufige Fragen zur ethischen Tierfotografie

Darf ich Blitzlicht bei Tieraufnahmen verwenden?

Nein, der Einsatz von Blitzlicht ist tabu, da er Tiere erschrecken und sogar verletzen kann, insbesondere nachtaktive Arten mit empfindlichen Augen.

Wie vermeide ich digitale Störung beim Fotografieren?

Vermeiden Sie ständiges Zoomen, häufige Positionswechsel des Fahrzeugs und übermäßig langes Warten auf das « perfekte » Bild. Diese Verhaltensweisen stellen eine subtile Form der Belästigung dar und signalisieren dem Tier, dass es unter Beobachtung steht, was Stress erzeugt.

Sollte ich Standorte von seltenen Tieren online teilen?

Nein, auf keinen Fall. Das Geotagging von Fotos, insbesondere von bedrohten Arten wie Nashörnern oder Wildhunden, kann Wilderei begünstigen, indem es Kriminellen präzise Standortdaten liefert. Teilen Sie solche Bilder immer ohne Ortsangaben, um die Tiere zu schützen.

Rédigé par Laura Schneider, Laura Schneider ist professionelle Safari-Guide (FGASA Level 3) und Multi-Activity-Spezialistin mit 11 Jahren Praxiserfahrung in Walking Safaris, Bootsafaris und Bush-Camps in Sambia, Botswana und Simbabwe. Sie ist zertifizierte Rifle-Handling-Instruktorin und leitet seit 2018 ihre eigene spezialisierte Guiding-Schule.