Veröffentlicht am März 11, 2024

Das Aufspüren eines Leoparden ist kein Glücksspiel, sondern die meisterhafte Anwendung einer subtilen Sprache – der Grammatik des Busches.

  • Der Schlüssel liegt nicht im ziellosen Umherfahren, sondern im „aktiven Warten“ und der Interpretation von Proxy-Indikatoren wie dem Verhalten von Antilopen.
  • Die Fähigkeit, das Alter und die Geschichte einer Spur zu lesen, ist fundamental und trennt den Amateur vom Experten.

Empfehlung: Verlagern Sie Ihren Fokus weg vom reinen „Schauen“ hin zum aktiven „Lesen“ der Umgebung. Beginnen Sie damit, die kleinsten Zeichen zu deuten, um den Meister der Tarnung zu überlisten.

Für viele erfahrene Safari-Gänger ist es die ultimative Herausforderung, die Krönung unzähliger Stunden im Busch: die Sichtung eines Leoparden. Sie haben die Löwenrudel bei der Jagd beobachtet, Elefantenherden an Wasserlöchern bestaunt und vielleicht sogar ein Spitzmaulnashorn aus der Nähe gesehen. Doch der Leopard, dieser Geist des Busches, bleibt verborgen. Die üblichen Ratschläge – „sei geduldig“, „suche in Bäumen“, „höre auf die Alarmrufe der Affen“ – kennen Sie längst. Sie sind die Grundlagen, das Einmaleins der Safari, aber sie führen oft nicht zum Erfolg, wenn die Bedingungen schwierig sind.

Doch was, wenn der wahre Schlüssel nicht in diesen bekannten Taktiken liegt, sondern in einer viel tieferen Fähigkeit? Was, wenn das Finden eines Leoparden weniger mit Glück und mehr mit dem systematischen Entschlüsseln einer verborgenen Sprache zu tun hat? Die Wahrheit ist: Der Busch kommuniziert ununterbrochen. Jede Spur, jeder abgeknickte Zweig, sogar die Art und Weise, wie der Kot eines Tieres platziert ist, ist ein Wort in der komplexen Grammatik der Wildnis. Es geht nicht darum, intensiver zu schauen, sondern darum, zu lernen, diese Zeichen richtig zu lesen und zu interpretieren.

Dieser Guide verlässt die ausgetretenen Pfade der Standard-Tipps. Wir werden nicht wiederholen, was Sie bereits wissen. Stattdessen tauchen wir tief in die Methoden der Experten ein – jene Fährtenleser, für die der Boden eine Zeitung voller Nachrichten ist. Wir werden die Kunst der „Spuren-Archäologie“ erlernen, den strategischen Wert des „aktiven Wartens“ verstehen und entdecken, warum die Suche nach den kleinsten Kreaturen des Busches paradoxerweise der beste Weg ist, um den grössten Meister der Tarnung zu finden.

Um diese Kunst zu meistern, werden wir die folgenden Aspekte Schritt für Schritt beleuchten und die Geheimnisse lüften, die den Unterschied zwischen einer weiteren vergeblichen Suche und einer unvergesslichen Begegnung ausmachen.

Wie unterscheiden sich frische von alten Spuren im staubigen Boden?

Die Fähigkeit, eine Tierspur zu lesen, ist mehr als nur die Identifizierung der Spezies. Es ist eine Form der Archäologie in Echtzeit. Die entscheidende Frage ist nicht nur „Wer war hier?“, sondern „Wann war er hier und wohin ist er gegangen?“. Die Unterscheidung zwischen einer frischen und einer alten Spur ist die Grundlage jeder erfolgreichen Verfolgung. Eine frische Spur, vielleicht nur wenige Minuten alt, ist ein Versprechen. Eine alte Spur ist nur noch eine Erinnerung. Experten achten auf mikroskopische Details, die dem ungeübten Auge entgehen.

Eine ganz frische Spur hat scharfe, klare Kanten, als wäre sie gerade erst in den Boden gestanzt worden. Der durch die Pfote verdrängte Staub bildet oft eine feine „Aura“ um den Abdruck. In feuchtem Boden kann die Oberfläche einer brandneuen Spur sogar noch leicht glänzen, bevor die Feuchtigkeit verdunstet. Im Gegensatz dazu sind die Ränder einer älteren Spur weicher, abgerundet und oft schon leicht eingefallen. Wind, Sonne und die Aktivität von Insekten beginnen sofort, die feinen Details zu verwischen. Ein einzelnes Blatt oder die Spur einer Ameisenstrasse, die den Abdruck kreuzt, verrät unmissverständlich, dass die Spur nicht mehr brandaktuell ist.

Ein erfahrener Fährtenleser bemerkt diese Nuancen sofort. Wie ein Forum-Experte der Parey Jagdausbildung treffend beschreibt:

Man sieht aber schon den Unterschied zwischen einem älteren, an den Rändern eingefallenen oder einem noch an den Rändern scharfen, also ‚jungen‘ Trittsiegel. Ist es da feucht, dann stehen die scharfen Ränder länger, scheint die pralle Sonne den ganzen Tag drauf, dann wird es ‚unleserlicher‘, weil die Ränder austrocknen und einbröseln.

– Forum-Experte der Parey Jagdausbildung, Diskussion über Spurenlesen im Jagdforum

Diese Details zu erkennen, ist eine erlernbare Fähigkeit, die Übung erfordert. Die folgende Checkliste fasst den Prozess eines Experten zusammen, um das Alter einer Spur systematisch zu bewerten.

Ihr Plan zur Altersbestimmung von Tierspuren

  1. Ränder prüfen: Analysieren Sie die Schärfe der Kanten. Sind sie klar und definiert (frisch) oder abgerundet und eingefallen (älter)?
  2. Mikrodetails suchen: Suchen Sie nach feinen Strukturen wie Krallenabdrücken oder Ballenmustern. Sind diese noch sichtbar oder bereits verwischt?
  3. Überlagerungen analysieren: Inspizieren Sie die Spur auf darüber liegende Elemente wie Blätter, Zweige oder Insektenspuren, die das Mindestalter anzeigen.
  4. Feuchtigkeit testen: Bei feuchtem Untergrund prüfen, ob die Spur noch einen leichten Glanz aufweist, der auf eine Entstehung innerhalb der letzten 30 Minuten hindeutet.
  5. Staubpartikel beobachten: Achten Sie auf eine feine Staub-Aura um den Abdruck, die sich typischerweise nach ein bis zwei Stunden wieder legt.

Warum ist stundenlanges Warten oft erfolgreicher als wildes Herumfahren?

Im modernen Safari-Tourismus herrscht oft die Maxime „mehr Strecke gleich mehr Sichtungen“. Fahrzeuge rasen von einem vermeintlichen Hotspot zum nächsten, immer in der Hoffnung, zufällig auf ein Raubtier zu stossen. Doch erfahrene Guides wissen: Zielloses Umherfahren ist oft die am wenigsten effektive Methode, um einen Leoparden zu finden. Der wahre Schlüssel liegt im Konzept des „aktiven Wartens“. Dies bedeutet nicht, passiv an einem Ort zu verharren, sondern einen strategisch günstigen Punkt – etwa ein Wasserloch, eine Flussbiegung oder eine Anhöhe mit guter Übersicht – auszuwählen und von dort aus den Busch mit allen Sinnen zu scannen.

Während das Fahrzeug stillsteht, erwacht die Umgebung zum Leben. Man hört das Knacken eines Astes im Dickicht, das nervöse Schnauben einer Antilope, das Kreischen eines Haubenadlers. Diese Geräusche sind die „Proxy-Indikatoren“, die die Anwesenheit eines Raubtiers verraten. Ein erfahrener Guide nutzt diese Zeit, um die Landschaft mit dem Fernglas abzusuchen, jede Bewegung zu analysieren und auf Anomalien zu achten. Eine Herde Impalas, die geschlossen in eine Richtung starrt, anstatt zu grasen, ist ein lauteres Signal als jeder Funkspruch.

Stehender Safari-Jeep an einem Wasserloch in der afrikanischen Dämmerung

Diese Geduld wird oft in der „letzten Minute“ belohnt, wenn andere bereits aufgeben. Eine Anekdote aus Botswana illustriert dies perfekt: Nach stundenlangem, scheinbar erfolglosem Warten war eine Gruppe kurz davor, die Pirschfahrt zu beenden. Doch ein letzter, aufmerksamer Blick des Guides über die Savanne erfasste einige Impalas in der Ferne. Keine der Antilopen frass. Alle schauten angespannt in dieselbe Richtung – ein untrügliches Zeichen. Durch diese Beobachtung konnte die Gruppe schliesslich einen Leoparden ausmachen. Geduld ist nicht nur eine Tugend, sondern eine aktive Strategie, die auf dem Verständnis beruht, dass man den Busch zu sich kommen lassen muss, anstatt ihm hinterherzujagen.

Krüger oder Serengeti: Wo ist die Dichte an Grosskatzen höher?

Für den fortgeschrittenen Safari-Reisenden, der seine Chancen auf eine Leopardensichtung maximieren möchte, ist die Wahl der Destination entscheidend. Die berühmten Namen wie der Krüger-Nationalpark in Südafrika und die Serengeti in Tansania stehen oft ganz oben auf der Liste. Beide bieten fantastische Wildtiererlebnisse, doch wenn es speziell um die Dichte und Sichtungswahrscheinlichkeit von Leoparden geht, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Details und auch auf weniger bekannte Alternativen. Die Populationsdichte allein ist nicht der einzige Faktor; auch die Topografie, die Vegetation und die lokalen Safari-Regeln spielen eine immense Rolle.

Private Konzessionen, die an grosse Nationalparks angrenzen, bieten oft die besten Bedingungen. Das Sabi Sands Game Reserve, das sich eine zaunlose Grenze mit dem Krüger-Nationalpark teilt, gilt weithin als einer der besten Orte der Welt, um Leoparden zu sehen. Der Grund liegt in einer Kombination aus hoher Leopardendichte und streng regulierten Safari-Aktivitäten. Die Beschränkung auf wenige Fahrzeuge pro Sichtung und die Erlaubnis zum Fahren abseits der Wege (Off-Road-Tracking) erhöhen die Chancen dramatisch, ein Tier zu verfolgen und aus nächster Nähe zu beobachten. Ähnlich verhält es sich im South Luangwa Nationalpark in Sambia, der als „Tal der Leoparden“ bekannt ist und ebenfalls Nachtfahrten erlaubt – eine Primetime für die Jagdaktivitäten dieser Katzen.

Die folgende Tabelle, basierend auf einer vergleichenden Analyse von Top-Destinationen, gibt einen Überblick über die besten Gebiete für Leopardensichtungen.

Vergleich der Top-Leoparden-Destinationen in Afrika
Gebiet Land Besonderheit Beste Zeit
South Luangwa Sambia Tal der Leoparden – eine der höchsten Populationen Afrikas, Nachtfahrten erlaubt Mai-Oktober
Sabi Sands Südafrika Keine Zäune zum Krüger, strenge Fahrzeugbeschränkungen, Off-Road erlaubt Ganzjährig
Masai Mara Kenia Grosse Population, beste Sichtungen an Mara und Talek Flüssen Juli-Oktober
Moremi Botswana Lagunen und Wälder ideal für Leoparden April-Oktober

Der gefährliche Fehler, Elefantenbullen den Weg abzuschneiden

Die Jagd nach dem perfekten Foto eines Leoparden kann den Blick für die anderen, potenziell grösseren Gefahren des Busches verengen. Ein fundamentaler Grundsatz für jeden erfahrenen Safari-Teilnehmer ist der Respekt vor allen Tieren – insbesondere vor Elefantenbullen. Der fatale Fehler, einem Elefanten den Weg abzuschneiden oder ihn in die Enge zu treiben, entspringt oft Unwissenheit über seine Körpersprache und seinen physiologischen Zustand. Besonders gefährlich sind Bullen in der „Musth“, einem Zustand, der bei erfahrenen Guides alle Alarmglocken schrillen lässt.

Die Musth ist eine periodisch auftretende Phase bei Elefantenbullen, die mit einem extrem hohen Testosteronspiegel einhergeht. Diese Tiere sind unberechenbar, leicht reizbar und deutlich aggressiver. Ein sicheres Erkennungszeichen ist eine ölige, dunkle Flüssigkeit, die aus den Schläfendrüsen zwischen Auge und Ohr rinnt. Einem Bullen in diesem Zustand muss man immer extrem viel Raum geben und jegliche Konfrontation vermeiden. Aber auch ausserhalb der Musth warnen Elefanten deutlich, bevor sie angreifen. Weit abgespreizte Ohren, um grösser zu wirken, Kopfschütteln, Stampfen mit den Vorderbeinen oder ein steif hochgehaltener Schwanz sind unmissverständliche Signale, die sofortigen Rückzug erfordern.

Elefantenbulle in Drohgebärde mit abgespreizten Ohren im staubigen Busch

Die Missachtung dieser Signale ist einer der häufigsten Gründe für gefährliche Zwischenfälle auf Safaris. Ein Scheinangriff, bei dem der Elefant mit Getöse auf das Fahrzeug zustürmt, aber kurz vorher stoppt, ist die letzte Warnung. Ein echter Angriff folgt oft lautlos. Wie Experten für Wildtierverhalten bestätigen, sind ein steif erhobener Schwanz und abgespreizte Ohren klare Indikatoren für Aufregung und eine potenzielle Drohung. Ein wahrer Busch-Experte zeichnet sich nicht nur durch seine Fähigkeit aus, scheue Tiere zu finden, sondern auch durch seinen tiefen Respekt und sein Verständnis für die grössten Bewohner der Savanne.

Warum sind die frühen Morgenstunden entscheidend für Raubtier-Sichtungen?

Der Rat, frühmorgens auf Pirschfahrt zu gehen, gehört zum Standardrepertoire jedes Safari-Guides. Doch die wahre Begründung geht weit über die einfache Feststellung „Raubtiere sind dann aktiv“ hinaus. Sie liegt in der fundamentalen „Ökonomie der Energie“, die das Leben im afrikanischen Busch regiert. Für einen Leoparden ist jede Kalorie wertvoll. Die erbarmungslose Mittagshitze ist ein Energiefresser, weshalb die kühlen Stunden der Dämmerung und des Morgengrauens das primäre Aktivitätsfenster für Jagd und Revierpatrouillen sind.

In diesen Stunden ist der Boden wie eine frisch beschriebene Seite. Die nächtlichen Aktivitäten – die Jagd eines Leoparden, der Durchzug einer Hyänenfamilie, die Flucht eines Ducker-Böckchens – sind als Netz von Spuren im Sand verewigt. Ein früher Start ermöglicht es dem Fährtenleser, diese „Morgenzeitung“ zu lesen, bevor Wind und Sonne die Geschichten verwischen. Es ist die beste Zeit, eine frische Spur aufzunehmen und ihr zu folgen. Oft führt die Spur zu einem Tier, das sich nach einer anstrengenden Nacht zur Ruhe legt.

Darüber hinaus verändert die Perspektive am Boden das Erlebnis fundamental. Eine Fallstudie aus dem Greater Kruger verdeutlicht dies: Gäste, die aus dem Jeep stiegen, um mit einem Ranger zu Fuss Spuren zu lesen, entdeckten eine völlig neue Welt. Ein kleiner Abdruck hier, ein frisch abgebrochener Zweig dort – plötzlich erzählte der Boden eine zusammenhängende Geschichte. Auch wenn das Tier selbst längst weitergezogen war, wurde die narrative Kraft der Spurensuche greifbar. Der frühe Morgen ist also nicht nur wegen der kühleren Temperaturen entscheidend, sondern weil er das optimale Zeitfenster bietet, um die nächtlichen Ereignisse zu rekonstruieren und die Fährte eines Raubtiers aufzunehmen, bevor es sich für den Tag verbirgt.

Wie liest man Spuren im Sand, um Löwen zu finden?

Während Leoparden die Meister der Einzeljagd sind, hinterlassen Löwen durch ihre soziale Struktur und schiere Grösse oft deutlichere Spuren im Busch. Das Lesen von Löwenspuren ist eine hervorragende Übung, um die Grundprinzipien der „Busch-Grammatik“ zu verfeinern, die auch auf die schwerer zu findenden Leoparden anwendbar sind. Der erste Schritt ist die Identifizierung: Eine Löwenspur ist massiv und rundlich, ohne Krallenabdrücke (da Katzen ihre Krallen einziehen) und mit drei deutlichen Lappen am hinteren Rand des Hauptballens. Eine männliche Spur kann 12-14 cm breit sein, während die einer Löwin etwas kleiner ist.

Doch die eigentliche Kunst beginnt nach der Identifizierung. Ein Experte analysiert das gesamte Spurenbild (die Fährte), um die „Geschichte“ zu lesen. Ein gleichmässiger Abstand zwischen den Abdrücken deutet auf ein ruhiges Gehen hin. Ein unregelmässiger, grösserer Abstand verrät Trab oder sogar Jagdverhalten. Die Richtung ist offensichtlich, aber die Tiefe der Abdrücke gibt weitere Hinweise: Drückt sich der vordere Teil der Pfote tiefer in den Boden, deutet das auf eine Beschleunigung hin. Mehrere durcheinanderlaufende Spuren verschiedener Grössen erzählen von einem ganzen Rudel.

Besonders aufschlussreich sind Begleitspuren. Schleifspuren neben der Fährte können auf den Transport von Beute hindeuten und sind ein starker Indikator für einen nahegelegenen Fressplatz. Im Greater Kruger Gebiet, wo die Population hoch ist, ist die Spurensuche besonders ergiebig. Laut einer offiziellen Zählung wurde der Bestand im Krüger-Nationalpark auf über 1.600 Löwen geschätzt, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, auf frische Fährten zu stossen. Die Analyse dieser Spuren ist eine essenzielle Fähigkeit, die weit über das blosse Erkennen hinausgeht und Einblicke in Verhalten, Gruppendynamik und aktuelle Aktivitäten gibt.

Wie unterscheidet man Hyänen-Kot von dem eines Leoparden?

Für den ultimativen Experten ist jedes Zeichen im Busch eine wertvolle Information, und das schliesst Exkremente mit ein. Die Analyse von Kot (im Englischen „scat“ genannt) ist ein fortgeschrittenes Kapitel der „Busch-Grammatik“ und kann entscheidende Hinweise auf die Anwesenheit und das Verhalten von Raubtieren geben. Insbesondere die Unterscheidung zwischen dem Kot einer Hyäne und dem eines Leoparden ist für Fährtenleser von grosser Bedeutung, da beide Tiere oft dieselben Wege nutzen.

Der auffälligste Unterschied liegt in der Farbe und Zusammensetzung. Hyänen besitzen ein unglaublich starkes Verdauungssystem und extrem kräftige Kiefer, mit denen sie Knochen vollständig zermalmen und verdauen. Der hohe Kalziumgehalt aus den Knochen führt dazu, dass der Kot der Hyäne nach dem Trocknen eine charakteristische weisse, kreidige Erscheinung annimmt. Man findet diese weissen „Brocken“ oft in der Nähe ihrer Baue oder an gemeinschaftlichen Latrinen.

Leopardenkot hingegen sieht völlig anders aus. Da Leoparden Fleisch und Fell fressen, aber grosse Knochen meist zurücklassen, ist ihr Kot typischerweise dunkel und voller Haare. Er hat eine kompakte, wurstartige Form und läuft an einem Ende oft spitz zu. Der entscheidende Hinweis ist jedoch nicht nur das Aussehen, sondern die Platzierung. Leoparden sind territoriale Einzelgänger und nutzen ihren Kot gezielt zur Reviermarkierung. Ein Leopard wird seinen Kot bewusst an auffälligen Stellen platzieren – auf einem Grasbüschel mitten auf dem Weg, an einer Kreuzung oder sogar auf einem niedrigen Busch. Eine solche Platzierung ist eine Visitenkarte, die sagt: „Dies ist mein Revier.“ Analysen zum territorialen Verhalten zeigen, dass Leopardenreviere, die sie mit Urin und Kratzspuren markieren, eine Grösse zwischen 30 und 50 Quadratkilometern haben können. Das Finden eines solchen strategisch platzierten Kots ist somit ein vielversprechenderer Hinweis auf die aktuelle Anwesenheit eines Leoparden als eine zufällig gefundene Hyänenlatrine.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Finden von Leoparden ist keine Glückssache, sondern das Ergebnis der systematischen Anwendung von Expertenwissen über Spuren, Verhalten und Umweltindikatoren.
  • „Aktives Warten“ an strategischen Punkten ist oft produktiver als weite Fahrten, da es erlaubt, die subtilen Signale der Umgebung (Proxy-Indikatoren) wahrzunehmen.
  • Die Fähigkeit, die eigene Beobachtungsgabe an den kleinsten Tieren („Little Five“) zu schärfen, ist das beste Training, um den Meister der Tarnung, den Leoparden, zu entdecken.

Warum sind die ‚Little Five‘ oft faszinierender als Löwen?

Nach zahlreichen Safaris kann eine gewisse „Big Five-Müdigkeit“ einsetzen. Ein weiterer Löwe, der im Schatten döst, ein weiterer Elefant, der am Baum rüttelt. Der wahre Kenner des Busches wendet seinen Blick irgendwann ab von den Giganten und hin zu den Miniaturen, den verborgenen Juwelen der Savanne: den „Little Five“. Diese Gruppe – bestehend aus der Ameisenlöwe, der Büffelweber, der Elefantenspitzmaus, dem Nashornkäfer und der Pantherschildkröte – zu finden, erfordert eine völlig andere Art der Aufmerksamkeit und schärft die Sinne auf eine Weise, die für die Jagd nach dem Leoparden von unschätzbarem Wert ist.

Die Suche nach einem Nashornkäfer im Unterholz oder das Verfolgen der winzigen Trichter eines Ameisenlöwen im Sand zwingt das Auge, Muster zu erkennen, Texturen zu unterscheiden und kleinste Bewegungen wahrzunehmen. Es ist ein Training in Mikrobeobachtung. Man lernt, den Blick vom Horizont auf den Boden direkt vor sich zu richten, die Welt aus einer neuen Perspektive zu sehen und die Perfektion der Tarnung im Kleinen zu würdigen. Diese geschärfte Wahrnehmung ist exakt die Fähigkeit, die man benötigt, um die kaum sichtbare Kontur eines Leopardenohrs hinter einem Ast oder das Zucken eines Schwanzes im hohen Gras zu erkennen.

Extreme Nahaufnahme eines Nashornkäfers auf moosbedecktem Waldboden

Ein erfahrener Safari-Guide formulierte es einmal so treffend:

Die Suche nach den winzigen, getarnten ‚Little Five‘ schärft die Beobachtungsgabe und das ‚Auge für den Busch‘. Diese Fähigkeit ist die exakte Grundlage, die man benötigt, um den ultimativen Meister der Tarnung, den Leoparden, zu finden.

– Erfahrener Safari-Guide, Persönliche Kommunikation während Ranger-Training

Die Faszination der „Little Five“ liegt also nicht in ihrer Grösse, sondern in der Herausforderung, die ihre Entdeckung darstellt. Sie zu finden, ist ein Beweis für Geduld, Detailverliebtheit und ein tiefes Verständnis für das Ökosystem. Wer gelernt hat, einen Nashornkäfer auf einem Stück Rinde zu sehen, hat sein Gehirn darauf trainiert, die Tarnung eines Leoparden im Geäst eines Leberwurstbaums zu durchbrechen. Die Suche nach dem Kleinen ist somit die ultimative Vorbereitung auf die Begegnung mit dem grossen Geist des Busches.

Indem Sie sich diesen oft übersehenen Kreaturen widmen, investieren Sie direkt in Ihre Fähigkeit, Grosses zu entdecken. Es ist essenziell zu verstehen, warum die Meisterschaft im Kleinen der Schlüssel zum Erfolg im Grossen ist.

Wenn Sie diese Prinzipien – von der Spuren-Archäologie über das aktive Warten bis hin zur Schärfung des Blicks für das Detail – bei Ihrer nächsten Safari anwenden, werden Sie den Busch nicht mehr nur besuchen. Sie werden beginnen, ihn zu lesen. Erleben Sie die Wildnis mit den Augen eines Experten und verwandeln Sie Ihre Suche nach dem Leoparden von einem Glücksspiel in eine Kunstform.

Häufige Fragen zum Aufspüren von Raubtieren

Welche Farbe hat Hyänenkot?

Hyänenkot ist oft weiss und kreidig durch den hohen Kalziumgehalt aus zermahlenen Knochen.

Wie sieht Leopardenkot aus?

Leopardenkot ist typischerweise dunkel, voller Haare und hat eine festere Struktur mit spitz zulaufender Form an einem Ende.

Wo findet man die jeweiligen Kotspuren?

Leoparden platzieren Kot zur Reviermarkierung an auffälligen Stellen wie Weggabelungen oder auf Büschen. Hyänen nutzen gemeinschaftliche Latrinen.

Geschrieben von Elias Weber, Zoologe und FGASA-zertifizierter Field Guide mit Fokus auf Tierverhalten und Fährtenlesen. Er verbrachte 12 Jahre als Ranger in der Serengeti und im Okavango Delta und ist Experte für Walking Safaris.